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Burgenstraße –  1200 km  Ferienstraße von Mannheim bis zum Prager Hradschin 

Die Wittelsbacher an der Burgenstraße – Raubritter, Kurfürsten, Könige

Wer schon als Kind den Wunsch verspürte, Prinzessin zu werden oder als Rittersmann dem Nachbarjungen das Holzschwert auf den Kopf zu hauen – es mit der Einheirat ins englische Königshaus aber nicht geklappt hat – der besuche die vor 59 Jahren gegründete Burgenstraße. Eine der traditionsreichsten und bekanntesten Ferienstraßen, die einzige deutsche Touristikroute in West-Ost-Richtung, führt auf 1.200 Kilometern vom Mannheimer Barockschloss bis zum Prager Hradschin.

Für Romantiker und ehemalige kleine Prinzessinnen und Ritter ist diese Straße ein Muss. Sie schlängelt sich vorbei an mehr als 90 trutzigen Burgen auf steilen Felsen, Märchenschlössern in Barockresidenzen und verfallenen Burgruinen über sanften Weinbergen. Sie führt durch geschichtsträchtige Städte wie Heidelberg und Heilbronn, Nürnberg, Coburg, Bamberg und Bayreuth.

Es folgt eine kleine Anregung für Stationen ihrer Reise:

Schwetzingen, das «Pfälzische Versailles». Die Sommerresidenz der Kurfürsten hatte ihre Blütezeit unter dem Liebhaber der Musen, dem Kurfürsten Carl Theodor, der 1752 das bis heute bespielte Rokokotheater erbauen liess. Der siebenjährige Mozart spielte viermal vor dem Kurfürsten und erhielt als Dank eine Uhr, seine Fünfte. Damals ein wohl übliches Geschenk, denn vier Herrscher vor Carl Theodor beschenkten den kleinen Mozart auf seiner Wunderkindreise ebenfalls mit Uhren. Mozart heftete alle Uhren an seine Jacke und präsentierte diese mit dem Hinweis «Jetzt ist es genug» dem verdutzten Kurfürsten. Die erhoffte Anstellung in der Kurfürstlichen Hofkapelle am Mannheimer Hof erhielt er leider nicht. Vom 7.7. bis 2.10.2013 feiert die Deutsche Mozart Gesellschaft in achtzehn Städten den 250. Jahrestag der Wunderkindreise. Sie gibt zur Erinnerung einen silbern glänzenden, schönen Schlüsselanhänger raus. Integriert ist ein Chip mit Mozarts Silhouette. Das hätte dem kleinen Mozart gefallen: im Einkaufswagen durch die Konsumhöllen der heutigen Zeit zu sausen!

Neckarsteinach, die Vierburgenstadt erfreut mit Vorderburg, Mittelburg und Hinterburg, die um 1142 bis 1230 entstanden. Burg Schadeck, die vierte und jüngste Burg, wurde um 1335 direkt auf einem Felssporn errichtet.

 

Weinsberg. Von der zauberhaften Terrasse des «Rappenhofes» blickt man über das Neckartal auf die Burgruine Weibertreu. Im Jahr 1140 belagerte König Konrad III. die Burg und gewährte nach seinem Sieg den Frauen und Kindern freien Abzug. Er erlaubte ihnen Hab und Gut, dass sie tragen konnten mitzunehmen. Die Weiber schulterten ihre Männer und trugen sie aus der Burg. Die Ernährer der Familie waren zu retten, Liebe spielte damals wohl keine so große Rolle. 1440 wurde die Stadt an die Kurpfalz verkauft. 1525 überfielen aufständische Bauern die Burg und jagten den Grafen Helfenstein und seine Ritter durch die Spieße. Dazu ein passendes Gedicht vom Freiherrn Börries von Münchhausen:

Ja, gnade Dir Gott, du Ritterschaft!
Der Bauer stund auf im Lande,
und tausendjährige Bauernkraft
macht Schild und Schärpe zu Schande!

Burg Weinsberg verfiel zur Ruine und wurde erst 1824 vom Romantiker, Arzt, Dichter und Naturwissenschaftler, dem Tausendsassa Justinus Kerner wiederentdeckt. Über 1000 Besucher zählte sein gastfreundliches Haus in 40 Jahren. Seine bessere Hälfte Friederike, das «Rickele», umsorgte Dichter wie Lenau, Geibel, Uhland und Schwab. Ganz Romantiker, begrüßte Kerner bisweilen seine Gäste im Sarg mit dem Satz: «Ich nehme schon mal Mass!»

Durch Kerners vielseitige Persönlichkeit wurde das Haus zum Treffpunkt der Romantik in Schwaben und zu einer Begegnungsstätte zahlreicher berühmter Persönlichkeiten des 19.Jahrhunderts. Unter ihnen waren mehrere Vertreter der Wittelsbacher, deren seelische Krisen er zu heilen versuchte. Ob Kerners virtuoses Spiel auf der Maulorgel die Gesundung unterstützte, ist nicht überliefert.

Einen Besuch dieses Hauses lege ich ihnen besonders ans Herz. Der Historiker Dr. Bernd Liebig, selber ein Ereignis, zeigt ihnen in der Dauerausstellung Kerners Therapiegeräte, wie den «Nervenstimmer». Mit diesem behandelte er seine medial begabte Patientin, Friederike Hauffe, die «Seherin von Prevost».
Dr. Liebig informiert sie über die Abhandlung Kerners über das Botulinumtoxin, das eine Vergiftung hervorrief, die in Württemberg sehr oft durch den Genuß geräucherter, verdorbener Wurst auftrat. Er zeigt ihnen die Schätze der umfangreichen Kernerschen Kunstsammlung mit Gemälden, Plastiken und bemalten Glasscheiben aus dem 13. bis 16. Jahrhundert.

Mosbach erfreut mit seinen Fachwerkhäusern, dem Schloss, der Simultankirche und der Gutleutkapelle mit dem «Lumpenglöckle». Das Glöckle läutet zur Abendstunde und erinnert an die Pfalzgräfin Johanna, die sich bei der Jagd im Wald verirrte und nur durch das Läuten der Glocke heim fand. Die Tradition wird gepflegt in Mosbach: ins ehemalige Haus des Scharfrichters ist eine Metzgerei gezogen. Blut fliesst also noch heute!

So geht es weiter und weiter.

Und immer wieder leuchten in dieser Bilderbuchlandschaft blau und glänzend Neckar, Jagst und Tauber auf.

Niemand, es sei denn Lehrer, die ein Sabbatjahr einlegen, bezwingt diese Traumstraße Deutschlands in einem dreiwöchigen Urlaub. Ein Grund, Jahr für Jahr immer wieder die Zeugen einer «besseren Zeit» zu besuchen und durch Mittelalter, Renaissance, Barock und Klassizismus zu streifen. Ich verspreche Ihnen, langweilig wird es nie.

Von 1214 bis 1803 regierten die Wittelsbacher als Kurfürsten und Könige die Pfalzgrafschaft bei Rhein, und führten die Titel Pfalzgrafen bei Rhein und Herzöge von Bayern. Das wichtigste der weltlichen Kurfürstentümer im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation berechtigte die Wittelsbacher im Kreis der sieben Kurfürsten den König zu wählen und mit ihm gemeinsam die Politik im Heiligen Römischen Reich zu gestalten.

Ludwig I. der Kelheimer steht am Anfang der Adelsdynastie. Die Pfalzgrafschaft wurde ihm 1214 von Friedrich II. Barbarossa übertragen. Ludwig war ein Schwerenöter und wollte die böhmische Prinzessin Ludmilla zu einer Liebesnacht verführen. Die Anekdote erzählt, dass Ludmilla drei Ritter hinter einem Vorhang versteckte und von Ludwig ein Eheversprechen verlangte, dass dieser auch leichtfertig gab. Flugs traten die Ritter hinter ihrem Vorhang als Zeugen hervor, und Ludwig musste sein Versprechen einlösen.
Als Brautschatz brachte Ludmilla das Wappen mit den weiss-blauen Rauten in die Ehe, bis heute das Zeichen der Wittelsbacher und des Freistaates Bayern. Sagen sie niemals, heraldisch unkorrekt, blau-weiss. Die Blau-Weissen huldigen König Fussball und sitzen «auf Schalke».
Ludwigs Regentschaft dauerte nur 17 Jahre. Im September 1231 wurde er auf der Kelheimer Brücke ermordet. Der Täter wurde nie ermittelt. War’s vielleicht ein betrogener Ehemann?

Wie gut, dass die Pfalzgrafen phantasievolle Zusatznamen hatten wie: Ludwig II der Strenge, Kaiser Ludwig der Bayer, Friedrich I. der Siegreiche, Friedrich III. der Fromme, Friedrich V. der Winterkönig. Darunter kann sich unsereins sofort etwas vorstellen.
Wie leicht fiele uns die Wahl, führten unsere «Herrscher/Innen» auch Erklärendes in ihren Namen: Angela Merkel die Aussitzende, K.T. zu Guttenberg der Kopierer, Gerhard Schröder der Energiewechsler (vom Öl zum Gas).

Ludwig II. der Strenge z. B. liess seine Ehefrau Maria von Brabant in Donauwörth hinrichten, weil er sie fälschlicherweise des Ehebruchs verdächtigt hatte. Streng ist vielleicht etwas Milde ausgedrückt.

Friedrich I. der Siegreiche regierte von 1451 bis 1476 und war der erste kurpfälzische Herrscher, der eine Politik militärischer Eroberungen führte. Die Kurpfalz erreichte unter seiner Regentschaft ihre größte territoriale Ausdehnung.

Friedrich III. der Fromme wirkte von 1559 bis 1576 in der Kurpfalz. Er hing der Reformation an und erließ ein neues Handbuch zur Unterweisung in den wichtigsten Glaubensgrundlagen, den 1563 in Druck gegebenen «Heidelberger Katechismus».

Alt Heidelberg, du Schöne an des Neckars goldnem Strande. Rotgolden glänzt in der Abendsonne der Backsteinbau der Schlossruine und erinnert an «Des Sängers Fluch» von Ludwig Uhland

Es stand in alten Zeiten
ein Schloss so hoch und hehr,
weit glänzt es über die Lande bis an das blaue Meer (des Neckars)
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört……

Man nächtigt im «Goldenen Falken» am Marktplatz und speist sehr gut im «Goldenen Hecht», nein, nicht von güldenen Tellerchen, ganz profan von Porzellan.

Friedrich V. der Winterkönig ist noch immer eine der spannendsten Figuren. Er ehelichte die englische Prinzessin Elisabeth Stuart, eine Enkelin Maria Stuarts. Obwohl aus Staatsräson geschlossen, endlich eine Liebesheirat! In seiner Residenz Heidelberg gaben dem Schloss ein neues Erscheinungsbild, legte den Hofgarten, den berühmten Hortus Palatinus an und schenkte seiner Elisabeth zum 20. Geburtstag das in einer Nacht erbaute Elisabethentor. Sie revanchierte sich und schenkte ihm 15 Kinder. Unglücklicherweise liess er sich zum König von Böhmen krönen. Diese Königsherrschaft währte nur ein Jahr und brachte ihm den Spottnamen «Winterkönig» ein. Er floh mit seiner Familie ins Haus Oranien nach Holland und setzte dort mit seiner verschwenderischen, prunksüchtigen Elisabeth das glanzvolle Hofleben fort. Von ihren Zeitgenossen wurde sie wegen ihres Charmes und ihrer Schönheit «The Queen of Hearts» genannt. Arme Diana, Du warst also nicht die Erste dieses Titels.

Friedrich V. starb mit 37 Jahren 1632 an der Pest. Elisabeth überlebte ihn um dreißig Jahre und starb im Alter von 65 Jahren 1662 in ihrem Heimatland an einer Bronchitis.

Ja, die Deutschen schicken ihre Herrscher ins Exil nach Holland. Bei den Franzosen enden verschwenderische Könige und Königinnen auf dem Schafott.

 

Wir verlassen Heidelberg und erreichen das Endziel unserer Reise, Mannheim. 1720 verlegte Kurfürst Carl Philipp seinen Hof von Heidelberg nach Mannheim. Zwischen 1720 und 1760 wurde das Mannheimer Barockschloss durch die Kurfürsten Carl Philipp und Carl Theodor erbaut. Mannheim wurde Residenzstadt. Es begann eine glanzvolle Blütezeit, die «Erste goldene Ära». Mozart und Voltaire, Goethe und Schiller legten den Grundstein zur heutigen lebendigen Kultur- und Musikszene. Schillers «Räuber» hatten Premiere im Nationaltheater und sorgten für Furor. Eines der größten Barockschlösser Europas soll ein Fenster mehr besitzen als das Schloss in Versailles. Mit seinem riesigen Schlossplatz verlangt es gerade zu nach militärischen Exerzitien. 1778 trat Carl Theodor die Nachfolge des kinderlos verstorbenen bayerischen Herzogs Max III. Joseph an und verlegte schweren Herzens seine Residenz in das ungeliebte München. Die «Erste Goldene Ära» war beendet.

Entdecken sie Mannheim, die Quadratestadt ohne Straßennamen, zu Fuß. Haben sie erst einmal das System der Buchstaben und Zahlen an Häusern und Straßen verstanden, ist ein Verlaufen ausgeschlossen. Sie sind müde vom Pflastertreten? Füllen sie ihre Badewanne z. B. im Hotel Dorint mit Wasser und Salz, das sie hoffentlich in Bad Friedrichshall beim Besuch der Museums-Saline erstanden haben, und erfrischen ihre Füße. Am Morgen verführt eines der längsten und schmackhaftesten Frühstücksbuffets Deutschlands mit unzähligen Köstlichkeiten und Kalorien. Unter anderem mit echten Honigwaben, welche die fleissigen Bienen auf dem Dach des Hotels produzieren.

Frisch gestärkt beginnt der Spaziergang durch den wunderschönen 42 ha großen Luisenpark. Zur Zeit erfreut eine Bepflanzung in den Farben der Wittelsbacher in weiss-blau und gelb (für den goldenen Löwen im Wappen) die Besucher. Der gärtnerische Leiter, Stefan Auer erklärt, dass es gar nicht so leicht ist in der Natur ein passendes Blau zu finden. Leberblümchen geben nun ihr Bestes. Passender wäre das Himmelblau der Vergissmeinnicht. Leider blühen sie nur im Frühjahr.  Von der Aussichtsplattform des Fernsehturms blicken wir aus 120 m Höhe noch einmal  auf das Land der Wittelsbacher. Erklärungen finden wir in der informativen«Tafelausstellung» an den Aussichtsfenstern. Jemand fragte, ob München zu sehen sei, nein, München ist nicht zu sehen und hat in der Kurpfalz auch nichts zu suchen.

Einen «eisigen» Abschluss findet unsere Reise in der Eisdiele «Café Aperto» von Dario Fontanella. Don Fontanella, der Erfinder des Spaghetti-Eises zog sich in sein gläsernes «Laboratorio Aperto» zurück und zauberte eine neue Eiskreation, ein kurfürstliches Eis. Aus Milch, Sahne, Eigelb und Zucker, Mandeln, Rosenwasser und einer Prise Zimt, Zutaten, die es schon zu Zeiten der Kurfürsten gab. Gekrönt wird diese Köstlichkeit mit gerösteten Mandelsplittern. Einfach kurfürstlich, göttlich, italienisch!

Eine wundervolle Reise über die Burgenstraße neigt sich dem Ende zu. Unser treuer Begleiter und Packesel unser «Wittelsbacher Bus» bringt uns zum Bahnhof.

Zum Schluss ein Spruch von Chako Habekost, Kabarettist

«Oigeborene wo mit ihrm Dialekt Mussig mache, Landschafte wie’n Paradiesgaarde, Städte mit Groove, e Levensgefühl wie am Middelmeer zwischen Haardt & Odewald & Blaue Adria – die Kur/Palz is fer misch High-mat!»

Ich hoffe, lieber Leser, sie sind neugierig geworden und folgen mir auf den Spuren der Burgenstraße und der Wittelsbacher.

 

Alle Informationen für ihre Reisewege:

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Museum Zeughaus
www.wittelsbacher2013.de

Barockschloss Mannheim
www.schloss-mannheim.de

Die Burgenstraße e.V.
info@burgenstrasse.de
www.burgenstrasse.de

Stadtinformation Schwetzingen
stadtinfo@schwetzingen.de
www.schwetzingen.dewww.schloss-schwetzingen.de
www.mozartgesellschaft-schwetzingen.de
www.mozartways.com
www.hof-musik.de
www.lafolia.eu
www.schwetzingen-museum.de

Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
info@tourismus-de

Heidelberg Marketing GmbH
info@heidelberg-marketing.de
www.heidelberg-marketing.de

Informationen zu THE WEDDING
www.thewedding2013.de

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg
«Macht des Glaubens» 450 Jahre Katechismus
www.machtdesglaubens2013.de

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
www.schloss-heidelberg.de

Luisenpark Mannheim
information@stadtpark-mannheim.de
www.luisenpark.de

Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik
hofmusik@adw.uni-heidelberg.de
www.hofmusik.de

Perspektiv – Gesellschaft der historischen Theater Europas
www.perspectiv-online.org

Stadt Mosbach
kultur@mosbach.de
www.mosbach.de

Touristinformation Tourist-IWeinsberg
stadt@weinsberg.de
www.weinsberg.de

Kernerhaus
www.Justinus-Kerner-Verein.de

Stadtmarketing & Tourismus Bad Friedrichshall
tourist@friedrichshall.de
www.friedrichshall-tourismus.de

 

Wo’s schmeckt und man gut ruht:

Dorint Kongresshotel Mannheim
info.mannheim@dorint.com
www.hotel-mannheim.dorint.com

Café «Aperto» in der EismanufakturL 11, 11
info@eisfontanella.de
www.eisfontanella.de

Rappenhof» Hotel und Gutsgaststätter

ww.rappenhof.de

rezeption@rappenhof.de

«Goldener Hecht» Restaurant
www.goldener-hecht-heidelberg.eu

«Goldener Falke» Hotel und Restaurant
info@goldener-falke-heidelberg.de
www.goldener-falke-heidelberg.de