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Eine Reise nach

In der Ferne hört man das Glockengeläut eines Klosters. Möwen kreisen über dem Meer und attackieren einen Fischer, der gerade seinen Fang aus dem Wasser zieht. Im Sturzflug holen sich die Vögel ihre Mahlzeit. Angenehm warm ist es jetzt auf der Halbinsel Chalkidiki.

Hier im Herzen des Landes ist der „Nabel der Welt“, denn die olympischen Götter treffen auf die Kultur der antiken Makedonen.

Aus dem Flugzeug betrachtet sieht die Halbinsel aus wie eine Hand mit drei Fingern. „Kassandra“ im Westen, „Sithonia“ in der Mitte und „Athos „im Osten. Jede Landzunge hat ihren eigenen Charakter. Kassandra ist touristisch am besten erschlossen. Hier findet der Urlauber moderne Badeorte mit nächtlichem Flair. Sithonia dagegen ist eher das ruhige „Rentnerparadies“ und gut geeignet für Individualtouristen und Wanderfreunde. Die östlichste Landzunge Athos wird vom Tourismus verschont und beherbergt nur angemeldete Pilger.

Die Formen des Tourismus haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Nicht nur der „Sonnenanbeter“ hat Griechenland für sich entdeckt. Immer mehr Alternativen der Freizeitgestaltung, wie Vogelbeobachtungen, Heiltourismus oder Religionsreisen werden von den Veranstaltern organisiert.

Zentralmakedonien ist umgeben von feinen Sandstränden, Buchten mit glasklarem Wasser, die die Urlauber zum Baden oder Tauchen einladen. Typisch sind Siedlungen mit schneeweißen Häusern. Diese Farbe wird gern verwendet, damit in den heißen Sommermonaten die Innentemperatur erträglich bleibt. In den Vorgärten gedeiht Gemüse und Obst, und an den Straßenrändern wird von den Einwohnern selbstgemachte Marmelade, Obstschnaps oder eingewecktes Gemüse angeboten.

Die Rundreise führt in den Norden des Landes, in die alte Stadt Katerini. Auf Grund ihrer Nähe zur Ägäis, den archäologischen Ausgrabungsstätten wie der Stadt Dion aus dem 5. Jahrhundert vor Christi, ist sie ein vielbesuchter Ort.

Die Ausgrabungen, die schon 1928 begannen, werden bis heute fortgesetzt. Sie brachten u.a. eine befestigte Stadt ans Tageslicht und daneben viele große Flächen, auf denen religiöser Kulte ausgeführt wurden. Der Park befindet sich in einem Gebiet mit Wasserquellen, die an vielen Stellen sichtbar aus dem Boden spritzen und das Land überschwemmen. Nasse Füße bekommt man dort nicht, da viele kleine Stege die feuchten Wiesen überbrücken.

In dieser Region ist der Frühling die schönste Reisezeit. Früher schoben sich die Autos über die Autobahnen, Staus drohten und die Konzentration der Reisenden richtete sich auf den Verkehr. Heute ist die Autobahn leer, die Touristen bleiben aus. Mehrere Kilometer fährt der Bus ohne Überholmanöver oder Gegenverkehr durch die Landschaft.

 

 

Selbst Schildkröten können jetzt die Straßen gefahrlos überqueren, ohne den sonst sicheren Tod befürchten zu müssen. Rosa blühender Oleander, dazwischen eine Blumenpracht in gelb und weiß, säumt die Autobahn. Typisch auch die Pinien und Kakteen, die das Landschaftsbild prägen und zum Flair gehören. Die Fahrt wird zum optischen Erlebnis, am Horizont die Berge, einige noch mit Schnee bedeckt.

In dem Bergdorf Arnea wird eine Kaffeepause eingelegt. Der Besitzer des kleinen Kaffeeladens hat nicht so viel zu tun wie sonst. Die Plätze vor seinem Geschäft sind nur von ein paar Einheimischen besetzt. „In der Vergangenheit standen die Kunden bis draußen“, erzählt er. Aber er will nicht klagen. Kaffee wird immer getrunken, auch in der größten Krise.

Die Reise führt weiter an die Küste vor „Athos“. Vom größten Hafen Ouranopolis oder von den vorgelagerten Inseln Drenia kann man per Schiff diesen landschaftlich eher unberührten Finger der Halbinsel erkunden. Fast die gesamte Fläche nimmt der 2033 Meter hohe „Heilige Berg“ – Der Garten der Jungfrau Maria – ein. Ein Ort des christlichen Glaubens, der von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

Athos ist eine Mönchsrepublik, die von der Heiligen Gemeinschaft verwaltet wird und zu Griechenland gehört. Sie wird nur von Männern bewohnt. „Frauen müssen leider draußen bleiben“ – auch das Schiff mit weiblichen Touristen an Bord darf nicht näher als 500 m an die Ufer heranfahren. Begründet wird das Zutrittsverbot für alles Weibliche damit, das „Athos“ der Garten der Gottesmutter und damit im theologischen Sinne einzig und allein der obersten Heiligen der orthodoxen Kirche, Maria, vorbehalten ist. Die Mönche wollen sich ungestört ihrer Gottesverehrung widmen und sich nicht von optischen sexuellen Reizen beeinflussen lassen. Auch weibliche Haustiere sind von dem Verbot betroffen. Ausgenommen Bienenvölker, die ja bekanntlich eine „Königin“ haben.

Jedes ist autonom und wird von einem Abt geleitet. Es gibt 20 Großklöster, von denen 17 griechisch sind, 1 serbisch, 1 bulgarisch und 1 russisch. Auch viele Kleinklöster, Mönchsdörfer und Einsiedlereien hängen von den Großklöstern ab. Ebenso einige auswärtige Klöster, die sich in den Bergen von Chalkidiki befinden.

Das Leben der Mönche ist genau strukturiert, 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Beten und 8 Stunden Schlaf. Besondere Tradition hat z.B. die Ikonenmalerei, die bis ins Mittelalter zurück reicht.

Auch wenn die Zeit auf Athos wie stehengeblieben erscheint, trifft man heute Mönche, die mit schnellen Motorbooten und Handys unterwegs sind.

Heute steckt Griechenland in einer schwerwiegenden Wirtschaftkrise. Das Stadtbild hat sich nicht wesentlich verändert, das Leben der Bevölkerung schon. Man greift zur Selbsthilfe, bildet Tauschbörsen, unterstützt die Ärmeren. Internet-Netzwerke sollen den Handel leichter machen. Benachteiligt in der Krise ist vor allem derjenige, der kein eigenes Obst oder Gemüse anbauen und ernten kann. Auch die Kirche verteilt Spenden, und der Mönch wird mehr denn je zum Seelsorger der Verzweifelten und Hilfsbedürftigen.

 

von Louis Rhode (Gast Autor)