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Kreuzfahrt ins Land der Mitternachtssonne

Eine Kreuzfahrt in das Reich der Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises ist ein besonderes Erlebnis. Im Sommer scheint dort die Sonne rund um die Uhr. Die Temperaturen im Nordpolarmeer sind dann gemäßigt, sodass Reisende den Anblick von Gletschern, Geysiren und zerklüfteten Felsen mit entspannten Stunden auf dem Sonnendeck verbinden können. In gut zwei Wochen fährt das Schiff von Deutschland aus zum Beispiel über die Shetland-Inseln nach Island, Spitzbergen, zum Nordkap und über die norwegische Fjordküste wieder zurück.

«Willkommen an Bord» heißt es am Kreuzfahrtterminal in Hamburg-Altona. Kaum sind die Leinen gelöst fällt der Blick auf das Ufer der Elbe, der das Schiff rund 78 Seemeilen bis zur Mündung folgt. Neben der beeindruckenden Skyline der Hansestadt fasziniert besonders der sich über viele Quadratkilometer erstreckende Hafen mit seinen Kränen und Schiffen. Zu sehen ist auch der Stadtstrand von Blankenese, an dem die Hamburger an warmen Sommertagen baden und in der Sonne liegen.

Nach einem Tag auf See erreicht das Schiff am frühen Morgen Lerwick. Die Hauptstadt der Shetland-Inseln ist der wichtigste Hafen des Archipels, auf dem die schottische Kultur und die eisigen Sphären des hohen Nordens aufeinandertreffen. Wer gut zu Fuß ist macht einen Spaziergang die Küste entlang zum prähistorischen Befestigungsturm «Broch von Clickimin». Seevögel und Robben sind das Ziel von Ausflugsfahrten. Die 180 Meter steil ins Meer abfallende Felsküste der Insel Noss ist Nist- und Rastplatz für zehntausende Seevögel. Mit dem Ausflugsschiff «Dunter III» nähert man sich den Vogelkolonien bis auf wenige Meter und bekommt Einblick in das Leben von Papageientauchern, Basstölpeln und Möwen.

Nächster Hafen ist die isländische Hauptstadt Reykjavik. In die Geschichte der Isländer kann man im Freilichtmuseum Àrbaer eintauchen. International bekannt ist die «Blaue Lagune», ein Thermalbad mit 37-39 Grad warmem, bläulich schimmerndem Wasser. Alternativ kann man sich für eine Rundfahrt mit dem Bus entscheiden. Diese beginnt mit einem Besuch beim Geysir Strokkur, der alle fünf bis sechs Minuten eine heiße, 30 Meter hohe Wassersäule erzeugt. Anschließend steht der Gullfoss-Wasserfall auf dem Programm. Eindrucksvoll stürzt hier der Fluss Hvita über zwei Stufen 30 Meter in die Tiefe. Dritte Station der Tour ist die Lavaebene von Thingvellir. Alternativen mit Abenteuercharakter sind Touren mit dem Geländewagen, Wildwasser-Bootsfahrten auf einem der Flüsse oder Walbeobachtung von kleinen Booten aus vor der Küste von Island.

Steile, hohe Berge charakterisieren die Westfjorde rund um Isafjördur. Dort ankert «Costa Pacifica» einen Tag später. Die ältesten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert beherbergen heute das Volkskundemuseum der Stadt. Anschließend bleibt noch Zeit für einen Ausflug ins Umland. Sehenswert ist zum Beispiel die Vogelinsel Vigur. Auf der Insel kann man Seeschwalben, Eiderenten und Papageientaucher bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten. Letzter Halt auf Island ist Akureyri. Fußläufig vom Anleger erreichbar sind die Kirche, das Kunstmuseum und der botanische Garten, in dem einheimische Pflanzenarten zu sehen sind. Ausflugsziel ist der See Mývatn im Zentrum eines vulkanischen Gebiets mit zahlreichen Pseudokratern.
Fast 1.000 Seemeilen weit ist die Reise nach Spitzbergen. Der norwegische Archipel ist Heimat von Eisbären, Seevögeln, Forschern und einer kleinen Zahl Einwohner. Auf dem Weg passiert «Costa Pacifica» die 1607 von einem holländischen Walfänger entdeckte Insel Jan Mayen. Mit ihrem 2.277 Meter hohen, von einem Gletscher gekrönten Vulkanberg Hackluyt ist die menschenleere Insel gerade bei klarer Sicht spektakulär. Auf der weiteren Reise nach Norden können aufmerksame Gäste nicht nur einzelne Zwergwale sondern auch kleine Eisberge sichten. Heute ist Ny-Alesund ein internationales Zentrum für Umweltforschung. Die alte Bergbaustadt Longyearbyen ist das nächste Ziel. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auf Spitzbergen Kohle und andere Rohstoffe entdeckt. Bei einem Rundgang durch die Stadt entdeckt man die Überreste der Montanindustrie in Form gewaltiger Seilbahnen.

Das 307 Meter aus dem Nordmeer herausragende Schieferplateau des Nordkaps mit seinem charakteristischen Denkmal in Form einer Weltkugel liegt in einer kargen Landschaft. Ein alternatives Programm vom Hafen von Honningsvåg aus ist eine Königkrabben-Safari mit einem Speedboot. Frisch aus dem Wasser gezogene Königkrabben werden gekocht und in einem kleinen Fischerdorf gemeinsam verspeist. Am nächsten Morgen legt das Kreuzfahrtschiff einen kurzen Stopp ein in Hammerfest. Wo einst Bärenjäger Zuflucht suchten, ist eine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern entstanden.

Letzter Stopp der Reise ist die im Jahre 1070 von König Olaf III. gegründete Hafenstadt Bergen. Im Stadtteil Bryggen zeugen vier detailgetreu nachgebaute malerische Handelshäuser von der Geschichte der einstigen Residenzstadt der norwegischen Könige. Gleich neben der Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe liegt die gut erhaltene Festung Bergenhus. Von Bergen aus sind kleine Schiffe durch die bezaubernde Fjordlandschaft unterwegs. Eine Kreuzfahrt ins Land der Mitternachtssonne ist eine hervorragende Möglichkeit einen eigenen Eindruck von Island, Spitzbergen und den norwegischen Fjorden zu gewinnen. In gut zwei Wochen legt das Schiff fast 4.750 Seemeilen zurück und ermöglicht es seinen Gästen in komfortabler Umgebung den Norden Europas zu erleben.

 

Christian Kolb (Gast Autor)