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Ein Bericht über Pudelmütze und Wärmflasche

Grüße aus Plakias.

Nun bin ich schon fast am Ende meiner Reise, am 8. April geht es heim.

Es war bisher eine eher kühle Angelegenheit, besonders nachts. Leider haben die Herbergen keine Heizung, bestenfalls Klimaanlagen, also schreckliche Pusteluft. Eine Pension hatte mir zwei Heizstrahler ins Zimmer gestellt. Das war in Karnas, in einem wunderschönen, historischen Haus mit 30 bis 40 cm dicken Wänden. Sicher ganz toll im heissen Sommer, jetzt ein Eiskeller. Ich bin geflüchtet in ein soeben eröffnetes Hotel, da war es zwar pustewarm, aber frische Malerdüfte erschwerten das Atmen. Erneute Flucht in die Kälte nach Plakias, einen Tag früher als geplant. Hier sind die Wände dünner, es gibt keine Heizmöglichkeit, aber das Meer liegt mir zu Füssen. Vom Balkon aus schaue ich hinab auf die Wellen. Das Anbranden der Wellen nutze ich zur Meditation im Bett – tief einatmen, halten, und laaangsam ausatmen.

Meine Nachtwäsche in meinem Indoorschlafsack plus zusätzlicher Decke besteht aus: einem T-Shirt, einem Nachthemd, einer Jogginghose, einer Mütze plus Schal. Eine Wärnflasche konnte ich endlich kaufen, die ist hier kein normaler Alltagsgegenstand. Kreta im Winter heisst vor allem Renovierung der Hotels und Tavernen oder einfach geschlossen. Zudem wird gerade überall Kanalisation verlegt. «Wir freuen uns sehr, dass die Touristen endlich in einem sauberen Meer schwimmen können, und unsere Fische besser schmecken» sagte ein Restaurantbesitzer, der mir ein bisserl viel Raki einflössen wollte. Lustig, da sind die Touristen Jahrzehnte in der Kloake geschwommen und haben entsprechenden Fisch gegessen…..
Die Straße, die an meinem Hotel in Rethymnon vorbeiführte, war komplett aufgerissen. Immerhin kamen meine Wanderschuhe dort gut zum Einsatz. Der Sprung von einem Matschloch ins andere hätte die nicht vorhandenen Ausgehschühchen sicher ruiniert. Naja und der Baulärm? Mit viel Phantasie kann man danach Sirtaki tanzen. Aber wenn alles fertig ist, spätestens zum Sommer, wird es sehr schön aussehen. Von dort weiter nach Georgioupolis, Kournas und nun eben Plakias. Mit meinem Autochen bin ich quer durchs Land gefahren. Mittlerweile hat es Beulen und Kratzer – von wem auch immer verursacht. Ich bin froh, dass ich mich für eine Komplettrundumsorglosversicherung entschieden hatte.. Den Osten habe ich nicht mehr besucht, meine Beschäftigung bestand doch mehr aus leckerem Essen, Bücher lesen und nix tun plus tief einatmen und ganz tief ausatmen.

Mein Weg vom Norden zum Süden führt mich durch eine Schlucht, die überall Warnzeichen für Steinschlag aufweist. Die Felsen hängen teils senkrecht an der Strasse, wenn da ein Teilchen herunterkommt, bin ich platt, eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Russisches Roulett mal anders. Gestern war ich zum ersten Mal mit meinen Füssen im Meer und an einem Strand, der zwar immer noch nicht vom Winterdreck geräumt ist, also viel Plastikmüll, aber auf dem nicht alle paar Meter ein Hundehaufen liegt. Es sind mir einige wilde Hunde begegnet, die mit äußerst traurigen Augen um Essbares bettelten oder adoptiert werden möchten. Andere fanden meine Karosserie schmackhaft. Und dann hatte ich noch drei besondere Freundinnen, die habe ich leider fürchterlich ausschimpfen müssen, wollten sie doch eine humpelnde Entenkameradin aus ihrer Truppe wegschnattern. Ich konnte nicht erkennen, warum sie humpelte, der Watschelfuss sah in Ordnung aus.

In den nächsten Tagen will ich noch nach Matala, die ehemalige Hippiehochburg. Eine Dame von «Attika» hat mir erzählt, dass ich das nächste Mal im Winter besser ein Haus miete, die hätten oft einen Kamin und das Holz würde zur Verfügung gestellt. Ein Apartment mit richtiger Heizung würde es so gut wie gar nicht geben. Naja, da müssen so einige Häuser ihre Internetseite ändern.

Nein, Kreta ist sehr schön. Meine Winterreise tut mir nicht leid. Ich komme bestimmt wieder.

 

 

 

Louis Rhode (Gast Autor)