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Geschichten Rund um das Filmgewerbe

 

 

Das Set auf dem Sofa

Ein Filmteam reist an Wenn man ein Filmteam unter sein Dach lässt: Der kleine Schritt vom Thriller zum alltäglichen Grauen. Mein Freund Karl-Otto sah blass aus. Auf die Frage, was los ist, winkt er erst ab, dann murmelt er etwas, das nach «bis weit nach Mitternacht durchs Haus gepoltert» klang. Ich verstehe nur Bahnhof. Bis er das Geheimnis lüftet: «Wir haben vermietet - an eine Filmproduktion.» Es fing alles ganz harmlos an. Eines Abends klingelte ein netter Typ und meinte, genauso ein Haus mit Fachwerk und Mansarde würde er für einen Fernsehthriller suchen. In den Vorgesprächen gaben sich alle betont liebenswürdig. Man brauche sich keine Sorgen zu machen. Frühaufsteher seien Filmleute sowieso nicht. Eher Nachteulen. Ein Kinderzimmer und das Arbeitszimmer müssten neu möbliert werden, ansonsten könne alles so bleiben, wie es ist. Karl-Otto holt tief Luft. Einen Tag vor Drehbeginn hieß es: »Wir haben noch kein Zimmer für die Maske, wüssten Sie nicht etwas?» Die Familie war aber schon auf engstem Raum zusammengerückt. «Und als einer nebenher fallen ließ, die Beleuchter seien ab 6 Uhr früh im Haus, blieb uns das erste Mal die Spucke ...
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lights off – Eine Einstellung. Kein Text. Ganz einfach.

lights off Motiv: zwei gegenüberliegende Garagenreihen, Licht einer fahlen Straßenlaterne, spärlich ergänzt durch Scheinwerfer. Szene: alter Herr mit Taschenlampe biegt um die Ecke, geht an der linken Garagenreihe entlang bis etwa Mitte, öffnet ein Garagentor und leuchtet hinein. Eine Einstellung. Kein Text. Ganz einfach. Entspannt in der milden Nachtluft steht das Team nach dem heißesten Tag des Jahres an der Rückwand des Garagenhofes und sieht dem Drehende entgegen. Geschafft! Hinter ihnen liegen zwei Sauna-Tage in einer 4- ZiKDB- Wohnung mit einem sehr betagten Schauspielerpaar, altersmäßig passend zusammengecastet, wobei der männliche Partner zunehmend ins Improvisieren verfiel. Eigentlich hatte er von Anfang an den Support aller Abteilungen auf eine Weise gefordert, die weit über den Rahmen selbstverständlicher Professionalität hinausging und den Produktionsleiter ans Set eilen ließ, wo dieser dann kopfschüttelnd neben einen Scheinwerfer geklemmt in der Küchenzeile hockte und verfolgte, wie sich der alte Herr in der Diele zum sechsten Mal am Telefon mit einem falschen Text meldete. «Macht nichts, Johannes» rief der Regisseur, «das schneide ich» und noch mal: «Bitte!» In der einführenden Besprechung, bereits im Motiv, hatte der schmächtige Senior, im Rücken 60 Jahre Bühnen- ...
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Die 30 Sekunden Filmszene – Hintergrund macht Bild gesund

- Der Komparse - In einem kleinen Dorf in Tirol sind Dreharbeiten eher eine Seltenheit und werden deshalb von vielen Schaulustigen und Touristen begleitet. Mit großer Neugier harren sie stundenlang aus, um einem bekannten Schauspieler zu begegnen oder vielleicht ein Autogramm zu erhaschen. Hier werden sie nun Zeuge, wie kompliziert und zeitraubend eine einfache, nur 30 Sekunden dauernde Filmszene werden kann. Die Einstellung, um die es geht, spielt auf einem Marktplatz, der wenig belebt aussehen soll. Ein paar Spaziergänger und 2 Restaurantbesucher bereichern das Bild. Etwas mehr zu tun hat ein Komparse, der einen «Architekt» darstellen soll. Der Requisiteur reicht ihm eine Aktentasche und einen Ordner. Seine Aufgabe besteht darin, mit einem Auto vorzufahren, auszusteigen, die telefonierende Schauspielerin im Vorbeigehen zu begrüßen und sich an einen Tisch zu setzten. Mehr nicht. Damit auch die schöne Tiroler Landschaft im Bild zu sehen ist, lässt der Kameramann einen großen Kran aufbauen, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Während dessen soll sich der Komparse mit dem Auto vertraut machen. Er lehnt ab, schließlich sei er ein geübter Autofahrer. «Das müssen wir nicht proben, lasst uns gleich drehen» ruft ...
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Dreharbeiten in Uganda

Fremdes Afrika Als ich das Drehbuch in die Hand bekam, fing ich gleich neugierig an zu lesen. Eine spannende Geschichte, die im ostafrikanischen Uganda spielt. Es sollte meine erste Reise auf diesen Kontinent werden. Angekommen Am Flughafen in Kampala stehen schon die kleinen Transportbusse für unsere Filmcrew bereit. Die Amtssprache ist Englisch, und die Verständigung mit den Einheimischen klappt reibungslos. Es ist früher Abend, als sich der Truck Richtung Innenstadt in Bewegung setzt. Samuel, unser Fahrer, gibt richtig Gas auf der holprigen Straße: Spielt der jetzt Pilot und will abheben? denke ich und suche hektisch meinen Sicherheitsgurt. Fehlanzeige. Der Kommentar von vorne: «Wenn wir langsam fahren ruckelt es noch mehr, und wir bleiben vielleicht in einem Schlagloch stecken!» Schöne Aussichten! Die Nacht ist rabenschwarz. Eine Straßenbeleuchtung habe ich allerdings auch nicht erwartet. Ich drücke meine Nase an der Fensterscheibe platt, um überhaupt etwas erkennen zu können. Von draußen dringt afrikanische Musik in den Bus, und unsere Stimmung ist ausgelassen. Man ahnt auf den Strassen das rege Treiben. Hin und wieder wird die Dunkelheit durch die kleinen Kerosinfeuer am Straßenrand unterbrochen. Erst dann erkennt man Frauen ...
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KOSTÜMBILDNER in Film, Fernsehen und Theater

PANAMA - BOCAS Auszug aus dem Buch "KOSTÜMBILDNER in Film, Fernsehen und Theater" von Riccarda Merten-Eicher Nach einem aufregenden Dreh in Panama City reist die Filmcrew weiter nach... Bocas Abreise aus Panama City, Ankunft auf der in heißes Sonnenlicht getauchten Insel in der Karibik. Die einzige große Straße ist bunt und lebendig. Oh, wie schön ist Panama! Ich bewohne ein bezauberndes Haus auf Stelzen mitten im Urwald. Das nächtliche Brüllen der Affen und die Fledermausschreie sind mir bald vertraut. Zwei Tage Sonnenschein und das Team hat frei. Gabi meine Assistentin und ich bereiten vor, genießen aber auch einen, den einzigen Tag, am goldenen Strand mit blauem Horizont, ganz geblendet von der Schönheit der Natur. Unser alter Schatzsucher entdeckt schnell seinen Platz in einem windschiefen Café über dem Wasser und man findet ihn an drehfreien Tagen auf dem durchgesessenen Sofa. Die Zeit ist hier stehengeblieben und uns holen die Erinnerungen ein. Chris, der Schiffseigner unserer «Marita», dem Schiff der Schatzsucher, turnt in kurzen Hosen barfuß mit verblichenem T-Shirt an Bord herum. Besser hätte ich es mit der Rolle nicht treffen können, denn so sieht unser «Skipper» ...
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