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Eine traditionelle Pferdesegnung

„Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh, sie trinken ein Gläschen….“,

 

so besingt ein altes Volkslied die Menschen aus dieser Region. Und mit Begeisterung wird auch gefeiert, wenn es um alte Traditionen geht. In der kleinen Gemeinde Oberndorf, die umgeben ist von der wunderschönen Kulisse der Tiroler Alpen, findet ein ganz besonderes dieser Feste statt, der . Organisiert wird diese Veranstaltung, die jährlich an einem Wochenende um den 6. Oktober stattfindet, vom Norikerzuchtverein Wilder Kaiser.Der ist eine Prozession zu Pferde, die in Teilen Bayerns und Österreichs seit Jahrhunderten zum Brauchtum gehört. Urkundlich belegt sind die Leonhardi-Fahrten seit Mitte des 15. Jahrhunderts. Geehrt wird damit der heilige Leonhard von Limoges, der im 6. Jahrhundert lebte und als der landwirtschaftlichen Tiere, insbesondere der Pferde, in die Geschichte einging. Höhepunkt der Wallfahrt ist die Segnung der Tiere. Leonhard, dem man ein großes Mitgefühl nachsagt, kämpfte auch für die Freilassung von Gefangenen und predigte für Kranke und Hilfsbedürftige. Verehrt wird er bis heute als „Bauernherrgott“. Auch der „Wettergott Petrus“ gibt auf seine Weise Segen und beschert den Feiernden an diesem Samstag einen strahlend blauen Himmel und milde Temperaturen. Schon am Vormittag ist auf dem Platz vor der Kirche reges Treiben. Die langen Tische und Bänke werden aufgestellt, alles wird hübsch und liebevoll dekoriert. Neben dem Getränkewagen mit Bierausschank stehen die mobilen Küchen. Aus den Kochtöpfen zieht ein leckerer Duft über den Platz. Für das leibliche Wohl ist also gesorgt. Neben Kaiserschmarrn, Käsespätzle, Kartoffelsalat mit Fleischpflanzerl´n und gerösteten Maronen gibt es auch diverse selbstgebackene Kuchen von einheimischen Bäuerinnen, die besonders köstlich sind. Natürlich dürfen die Kleinsten nicht zu kurz kommen. Süßigkeiten, Luftballons, und ein Dreirad-Parcour erfreuen die Kinderherzen. Auf einem nahegelegenen Parkplatz finden sich jetzt die Pferdebesitzer mit ihren Gespannen, den sogenannten Truhenwagen, ein. Auch dort werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Wer früh genug kommt, kann zusehen, wie die Tiere gestriegelt und die Wagen farbenfroh geschmückt werden. Nicht nur Oberndorfer nehmen an der Wallfahrt teil. Ross und Reiter kommen auch aus den umliegenden Orten, um gesegnet und geehrt zu werden. Obwohl alle Pferderassen erlaubt sind, sieht man vor allem Kaltblüter der Rassen Noriker und Haflinger, die auf Grund ihrer Gutmütigkeit und Stärke besonders oft als Arbeitstiere eingesetzt werden.
Jetzt formiert sich die Bundesmusikkapelle Oberndorf, und das Fest geht richtig los. Die Musizierenden machen sich auf den Weg zum nahe gelegenen Parkplatz, um die Prozessionsteilnehmer abzuholen. Zurück im Dorf spielt die Kapelle weiter und die Pferde müssen den Ort dreimal umrunden. Zwischenzeitlich haben sich hunderte Schaulustige eingefunden, die die Teilnehmer unter großem Applaus empfangen und bejubeln. Eine junge Frau im Trachtenkleid überreicht jedem Reiter ein kunstvoll geschnitztes Holzbrett, dessen Inschrift die Teilnahme an der Segnung bestätigt. Ein Rappe tänzelt aufgeregt umher. Er hält die Ohren gespitzt und fällt besonders unter den Pferden auf. Die knallrote Schabracke und das farblich passende Halfter geben ihm ein majestätisches Aussehen. Seine elegante Reiterin sitzt erhaben und souverän im Damensattel, was gute Reitkünste voraussetzt und nicht alltäglich zu bestaunen ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwähren, dass der Rappe genau weiß, dass dieser Tag ein ganz Besonderer für ihn ist.

Vielfältig ist die Reiterschar. Ein Ponygespann mit 2 Haflingern erfreut vor allem die Kinder. Aber auch die anderen Pferde und Wagen sind sehr festlich und traditionell geschmückt. „Gott schütze Pferd und Reiter“ ist auf einer Standarte zu lesen.

Der Höhepunkt des Tages ist mit dem Erscheinen des Pfarrers und dem Beginn seiner Predigt erreicht.
„Allmächtiger Gott, die ganze Schöpfung bezeugt deine Größe und Güte. Du hast sie in die Hand des Menschen gegeben, damit er sie gebrauche und dir dafür danke. Auf die Fürbitte des heiligen Leonhard schütze diese Pferde vor Krankheit und Gefahr und halte alle schädlichen Einflüsse von ihnen fern. So können sie dem Menschen helfen und eine Freude für ihn sein.“

Bis weit in die Umgebung hört man anschließend die Kirchturmuhr schlagen und der Prozessionszug löst sich langsam auf.

Für die vielen Besucher ist aber noch lange nicht Schluß. Jetzt wird fröhlich weiter gefeiert bis die Sonne untergeht und diesem schönen Tag ein Ende setzt.
Aber die Vorfreude auf den Oktober 2015 ist groß, wenn es wieder heißt: „Heristln tuat`s“ (Herbstfest) und der nächste Leonhardiritt in Oberndorf Einzug hält.