BunteReiseWelt
BunteReiseWelt

Auf dem Rhein unterwegs - Eine Flusskreuzfahrt

-KÖLN-AMSTERDAM-ARNHEIM-KÖLN-

Text und Fotos: von Anneliese Fuhrmann-CoomeeOktober 2016

Entspannung suchen, Stressabbau, einfach mal wieder raus - es ist der sogenannte "Tapetenwechsel", den sich so viele Menschen wünschen. Aber wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Die Reiseportale sind voll mit verlockenden Angeboten. Ob zu Lande, in der Luft oder auf dem Wasser, für jeden Geschmack und Geldbeutel ist etwas dabei. Immer größerer Beliebtheit erfreut sich die Seefahrt, egal ob Flusskreuzfahrten oder Hochseekreuzfahrten. "Ich habe Angst vor den großen Meeren" oder "Was ist, wenn wir verunglücken und das Schiff sinkt, denk an die Titanic !" diese Bedenken kann man ausblenden, wenn man sich von vornherein für eine Flusskreuzfahrt entscheidet. Keine oder nur geringe Schaukelei auf dem Schiff und das Ufer immer im Visier. Das gibt auch Nichtschwimmern ein Gefühl der Sicherheit. Die Reedereien sind ständig auf der Suche nach neuen Verlockungen, um den Passagieren an Bord das Leben angenehm, eindrucksvoll und unvergesslich zu machen. Und wenn am Ende einer Reise der Gast sagt: "Ich komme gerne wieder", dann haben der Veranstalter und die crew alles richtig gemacht. Nicko-cruises ist seit über 2 Jahrzehnten auf den Flüssen der Welt unterwegs. Ca. 20 Länder auf drei Kontinenten werden mit der modernen Flotte bereist und versprechen einen außergewöhnlichen Urlaub unter dem Motto "Viel erleben, bequem genießen". Besonders Flussreisen bieten eine eigene Sichtweise auf die Umwelt und Landschaft, sozusagen ein "Flusskino", bei dem der Passagier live dabei ist. Unsere Tour startet auf dem Rhein. Ein Fluss mit 1.232,7 km Länge, der sein Quellgebiet in den Schweizer Alpen hat und in den Niederlanden in der Nordsee mündet. Der Rhein fließt durch mehrere mitteleuropäische Länder, wobei Deutschland den größten Anteil hat. Unser Abfahrtsort ist Köln, und die Route führt uns nach Amsterdam und zurück nach Köln mit einem Stop in Arnheim.

Wer vormittags anreist, kann schon mal sein Gepäck auf dem Schiff deponieren und die verbleibene Zeit bis zur Abfahrt für einen kleinen Stadtrundgang nutzen. Köln ist u.a. berühmt durch seinen Kölner Dom, der das imposanteste Gebäude der Innenstadt ist. Die Altstadt hat viele Gassen, Fachwerkhäuser und Fussgängerzonen mit ausgefallenen Geschäften. An fast jeder Ecke gibt es eine Kneipe. Die bekannteste Biersorte in der Region ist das "Kölsch", das in 0,2 l kleinen Gläsern ausgeschenkt wird. Frisch und spritzig schmeckt es, und am Tresen wird schon auf Vorrat gezapft, weil die Gläser nach 3-4 Schluck wieder leer sind und Nachschub von den Gästen verlangt wird. Ein beliebter Ort in Köln, unweit vom Ufer, ist der Platz am Eigelsteintor. Rund um das alte Tor reihen sich viele Restaurants, Kneipen, Bars und Eisdielen. Manchmal gibt ein Straßenmusiker sein Bestes und sorgt für Unterhaltung.

Inzwischen hat der check in an der Rezeption der MS RIVER ART für die maximal 128 Passagiere begonnen. Hier erhält der Passagier auch Informationen über den weiteren Tagesablauf. Das 2005 gebaute Schiff hat eine Länge von 110 m und eine Breite von 11,40 m. Gefahren wird unter schweizer Flagge, die 31 köpfige crew ist international besetzt, und die durchschnittliche Geschwindigkeit talabwärts liegt bei 22-27 km/Std., ca. 12-15 Knoten. Anders als bei Hochseekreuzfahrten hat man schnell einen Überblick, wer sich alles an Bord befindet. Die Atmosphäre wirkt fast familiär. Das abgestellte Gepäck wird inzwischen von den Mitarbeitern in die Kabinen gebracht, eine angenehme Serviceleistung. Der Gast muß also nicht mit dem Koffer in der Hand in den schmalen Gängen umherirren und nach seiner Kabine suchen. Diese verteilen sich über 2 Etagen, das Hauptdeck und das Oberdeck. Beim Oberdeck sind alle Zimmer mit französischem Balkon ausgestattet und haben große Panoramafenster, die sich öffnen lassen. Je nach Deck gibt es verschiedene Preiskategorien. Im Durchschnitt sind sie 13 qm groß und bieten Platz für 2 Personen. Zum Ausruhen tagsüber gibt es 2 kleine Sofas. Die Betten befinden sich in der Kabinenwand und werden vor dem Schlafengehen vom Steward heruntergeklappt und hergerichtet. Das geschieht während der Abendmahlzeit, so dass sich niemand gestört fühlt. Eine Klimaanlage sorgt für angenehme Temperaturen. Der Komfort ist überall gleich: Dusche/WC, Haartrockner, Fernseher, Safe, Rauchmelder und Telefon.

Nachdem man sich nun häuslich eingerichtet hat, geht es erstmal auf Schiffs-Entdeckungstour. Ganz oben befindet sich das Sonnendeck, das teilweise überdacht ist. Liegen, Stühle und Tische laden zum Entspannen ein. Für die Kulinarik trifft man sich eine Etage tiefer, im großen, lichtdurchfluteten Panoramarestaurant. Ein beliebter Treffpunkt ist auch die Panorama-Bar. "Ein Schnäpschen in Ehren, kann keiner verwehren". Am späten Nachmittag ist es dann soweit. Das Schiff legt ab und gleitet ruhig flussabwärts. Die Sonne steht tief und die Natur taucht in ein rötliches Licht. Möwen begleiten uns. Wunderbar! Auf der Sonnenterrasse entstehen die ersten Urlaubsfotos, man genießt den Augenblick. Die Stadt Köln ist jetzt nur noch in der Ferne als Silhouette zu sehen. Bevor die MS RIVER ART richtig Fahrt aufnimmt, gibt es eine Pflichtveranstaltung. Alle Passagiere werden über die Sicherheit, das Anlegen der Rettungsweste und wie man sich im Notfall verhalten soll, informiert. Anschließend erfolgt die offizielle und herzliche Begrüßung der neuen Gäste durch den Kreuzfahrtleiter. Sein Thema: Bord- und Landgangsinformationen, Wichtiges zum Reiseverlauf und das Buchen der verschiedenen Ausflugspakete. Um 18:30 Uhr ist es dann soweit. Der Kapitän Heinz Lütten, der Hotelmanager George Pavlovszky und der Kreuzfahrtleiter Carsten Münnichow laden zum Willkommensempfang ein. Mit musikalischer Untermalung und von den Gästen beklatscht, betreten die Herren, gefolgt von der nahezu gesamten Mannschaft, die Panorama-Bar. Nach ein paar netten Worten und Witzeleien vom Käpt´n geht es für die crew schon wieder an die Arbeit.

Das eingespielte Serviceteam hat die Tische geschmackvoll im Panorama-Restaurant gedeckt und das Abendessen kann beginnen. Wer an welchem Tisch sitzt, wird schon nach dem check in festgelegt, eine freie Platzwahl gibt es nicht. Serviert werden 4 Gänge mittags und abends, abwechslungsreich und sehr lecker. Ein Lob an die Küche und das Serviceteam. Am Abend sorgt der DJ Boncho mit Musik für gute Stimmung. Wer will, kann auch ein Tanzbein schwingen. Das Bordprogramm wechselt täglich, mal wird Bingo gespielt oder mal ein Quiz veranstaltet. Langeweile kennt hier keiner. So langsam kehrt Ruhe ein und das Schiff gleitet leise durch die Nacht.

Frühstückszeit. Der Küchenchef weiß, was den Gästen schmeckt und kredenzt ein abwechslungsreiches Buffett. Frisches Obst, Eier in allen Varianten, Süßes und Saures, Joghurt, Kuchen, Cerealien, verschiedene Brotsorten usw. Es fehlt an nichts. Kaffee wird von den aufmerksamen Kellnern eingeschenkt, so viel man möchte. Wir nähern uns Amsterdam, unserem ersten Halt auf der Reise. 3 Ausflugspakete kann man für diesen Tag buchen. Unter dem Motto "Glanzlichter Amsterdams" geht es zuerst mit dem Bus durch die Stadt und anschließend mit einem Ausflugsboot durch die Grachten. Am Nachmittag steht der Besuch des "Reichsmuseums" ("Rijksmuseum") auf dem Programm und am Abend lockt ein Spaziergang durch das Rotlichtviertel. Begleitet werden alle Touren von professionellen Reiseführern.

Keine Stadt in den Niederlanden hat mehr als eine Million Einwohner. Amsterdam ist mit 800.000 die Größte. Erreicht wird die Million aber mit der Anzahl der Fahrräder. Viele Bürger haben zwei oder mehr. Täglich wechseln bis zu 200 Räder den Besitzer, mal freiwillig, mal unfreiwillig. Man "leiht" sich den fahrbaren Untersatz, um schnell von A nach B zu kommen. Die Stadt hat ein Problem: Es gibt nicht genügend Abstellmöglichkeiten für die vielen Räder. Die Parkhäuser für tausende von ihnen sind überfüllt, die Anschlußstellen entlang der Grachten sind rar, jede Freifläche wird benutzt, um das beliebte Transportmittel abzustellen. Politessen kontrollieren die Parkplätze, und wenn ein Rad über mehrere Wochen unbenutzt rumsteht, wird es "abgeschleppt" und an einen anderen Ort gebracht, meistens außerhalb des Zentrums. Die Radfahrer sind sehr schnell unterwegs. Als Fußgänger muß man wachsam sein. Trotzdem wird diszipliniert gefahren und jede Ampelphase beachtet. Dass in Amsterdam so viele Menschen ein Rad benutzen liegt auch an den extrem hohen Parkgebühren für Autos. 5,00 Euro pro Stunde in der Innenstadt sind normal. Die Stadtverwaltung möchte sogar die Gebühren in Zukunft noch drastisch erhöhen, um dem täglichen Verkehrschaos entgegenzuwirken.

Amsterdam hat viele historische Gebäude, Museen, Ausstellungen, Feste und Märkte, die es zu besuchen lohnt. Das Anne-Frank-Haus, ein Museum in der Prinsengracht, ist besonderer Anziehungspunkt. Schon morgens stehen die Besucher Schlange, um das Haus zu betreten, in dem sich Anne Franks Familie vor den Nazis versteckt hielt. Lange Zeit blieb der Unterschlupf damals geheim, letztendlich wurde die Familie aber aufgespürt und deportiert. Tagebuchauszüge, Zitate und Fotos vermitteln eindrucksvoll die Geschichte, die dann so traurig im KZ endete. Auch die Portugisische Synagoge, die sich am Mr.Visserplein 3 befindet, ist mit ihrem imposanten, hohen Innenraum sehenswert. Die 1675 erbaute Synagoge ist Teil des jüdischen Kulturviertels. Ebenfalls dazu gehört das Jüdisch-Historische Museum am Meijerplein. Hier erfährt man viel über die Geschichte der Juden, die Verfolgung bis zum Holocaust und der Zeit des Neuanfangs nach dem 2. Weltkrieg. Das Reichsmuseum am Museumplein zeigt die verschiedenen Zeitepochen niederländischer Kunst und Geschichte. Angefangen im Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert sind Malereien, Möbel, Porzellane, Puppenhäuser und vieles mehr zu bestaunen. Besonderer Anziehungspunkt für die vielen Besucher ist das berühmte Gemälde "Die Nachtwache" von Rembrandt. Mit dem Ausflugsboot durch die Grachten zu fahren, ist ein Muss für jeden Besucher. Unter den kleinen Brücken, durch die engen Wasserstrassen, vorbei an den vielen Kneipen und schönen Häusern entdeckt man die Stadt aus einer anderen Perspektive. Amsterdam ist die Stadt der Hausboote. Dort zu leben ist sicher exotisch, schont aber den Geldbeutel nicht. Ein Quadratmeter Wohnfläche kann schon mal 4.000 - 5.000 Euro kosten, je nach Lage und Ausstattung.
Holland ist auch das Land der Blumen, besonders der Tulpen. Entlang eines Grachtenufers erstreckt sich der traditionelle Blumenmarkt mit seinen in allen Farben leuchtenden Blumen und Pflanzen, besungen übrigens schon 1956, als Ralf Arnie das Lied "Tulpen aus Amsterdam" im Walzerstil komponierte. Ein Gassenhauer, der auch heute immer mal wieder zu hören ist. Am späten Nachmittag kehren die Gäste zurück an Bord. Jetzt ist erstmal Entspannung angesagt und das Abendessen steht bevor. Gut gestärkt finden sich dann noch ein paar Passagiere, die den nächtlichen Spaziergang ins Rotlichtmilieu nicht verpassen wollen. Der Bus fährt direkt am Anleger ab und bringt die Gäste in den Rotlichtbezirk. Je später der Abend, desto mehr Menschen drängeln sich durch die schmalen Gassen. Nach ca. 2 Stunden Führung, unter anderem auch entlang der Schaufenster, hinter denen die Damen des horizontalen Gewerbes auf Freier warten, werden die Passagiere wieder an Bord gebracht. Die Abfahrt der MS RIVER ART steht bevor. Kurz vor Mitternacht verläßt das Schiff die Stadt und fährt in Richtung Arnheim.
An Bord ist es still geworden. Wer noch nicht müde ist, kann auf dem Oberdeck den Sternenhimmel bewundern und beim leisen Rauschen des Flusses seinen Gedanken nachgehen.

Am nächsten Morgen duftet es wieder nach frischem Kaffee. Frühstückszeit. Um 9:45 Uhr ankert das Schiff in Arnheim. Die Stadtführerin steht schon am Ufer und erwartet die Ausflügler für den ca. einstündigen Ausflug, diesmal zu Fuß. Den meist älteren Passagieren ist die Stadt Arnheim noch aus Kriegszeiten in Erinnerung. Hier kämpften 1944 die Alliierten gegen die deutschen Truppen, die unerwartet starken Widerstand bei der Eroberung der Brücke von Arnheim leisteten, einem strategisch wichtigen Punkt. Innerhalb von 9 Tagen verloren tausende Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben. Heute wohnen in Arnheim ca. 150.000 Einwohner. Sie hat sich zu einer beliebten Einkaufsstadt entwickelt. Viele Designer bieten hier ihre Sachen in Modeboutiquen an, kleine Läden reihen sich aneinander und die Angebotsvielfalt ist beeindruckend. Ein kleiner Fleischerladen verkauft eigens hergestellte Wurst, die er "Berliner" nennt. Sie ähnelt der bekannten Bockwurst. Den Besuchern kann man einen Spaziergang durch den Stadtpark Sonsbeek empfehlen, eine Oase der Ruhe. Hier steht auch das Nederlands Watermuseum, das u.a. Einblicke in die niederländische Trinkwasserversorgung gibt und die Funktionsweise von Schleusen, Dämmen und Pumpwerken erklärt. Hoch hinaus ragt der Turm der Eusebiuskirche, einer spätgotischen Kreuzbasilika. Im Inneren befindet sich ein gläserner Lift, der bis zu einer Höhe von 73 Metern aufsteigt. Das Städtische Museum für Moderne Kunst zeigt archäologische Funde, mittelalterliche Münzsammlungen, alte Glaserzeugnisse und Gemälde, um nur einiges zu nennen. Für Familien und Kinder lohnt auch der Besuch des "Burger Zoo", zu dem ein interessant gestalteter Innenbereich gehört und ein großes, tierreiches Aussengelände. Eine Seltenheit kann man im Zoo bestaunen, das Erdferkel. Arnheim hat gleich 5 dieser nachtaktiven Tiere. Tagsüber schlafen sie und kommen nur zur Fütterung aus dem Bau. Eine übergroße Stein-Skulptur des Tieres wurde für Kinder gebaut, die darauf rumtoben können. Gegen 14 Uhr ist Landgangsende und alle Passagiere treffen sich wieder an Bord. Ein letztes Mal wird das reichhaltige Mittagessen serviert. Das Schiff legt ab und fährt nun flussaufwärts in Richtung Köln.
Am letzten Abend laden der Kapitän und seine Mitarbeiter die Gäste zum Abschiedssekt und anschließend zum Gala-Dinner in den Salon ein. Boncho, der Bordmusiker, macht am letzten Abend nochmal richtig tolle Stimmung und den Gästen gefällt´s. Die Reise nähert sich dem Ende. Auch so manche Freundschaften wurde geschlossen und der eine oder andere verabredet sich schon für die nächste Flusskreuzfahrt: "Wir kommen gerne wieder"


altes Haus in Arnheim
altes Haus in Arnheim

Auslagenschild Fleischer Arnheim
Auslagenschild Fleischer Arnheim

Blumenmarkt Tulpenzwiebeln
Blumenmarkt Tulpenzwiebeln

Bruecke von Arnheim
Bruecke von Arnheim

Erdferkel Spielplatz Arnheim
Erdferkel Spielplatz Arnheim

Eusebiuskirch Aussenansicht
Eusebiuskirch Aussenansicht

Eusebiuskirche Arnheim
Eusebiuskirch Aussenansicht

Fassadenreliev
Fassadenreliev

Kogge im Reichsmuseum
Kogge im Reichsmuseum

Reichsmuseum
Reichsmuseum

Rotlichtviertel Amsterdam
Rotlichtviertel Amsterdam

Hausboot Amsterdam
Hausboot Amsterdam

MS RiverArt
MS RiverArt

Oberdeck RiverArt
Oberdeck RiverArt

Visitorcenter Amsterdam
Visitorcenter Amsterdam